Aufzeichnungen und Analysen über das Verhalten eines religiösen Amarr Fanatikers im luftleeren Raum…

Singularität

Viele Tage sind vergangen und auch meine Situation in EVE hat sich auf eine völlig neue Ebene empor gehoben. Da ich nun ein aufregendes Leben in einer wirklich netten Gemeinschaft der Ancient Spirits (Teil der Northern Coalition im Vale of Silent) pflegen und erleben darf, gibt es so gesehen wirklich viel Stoff für neue Geschichten und Berichte. Ich denke, das ich diesen Blog wieder neues Leben einhauchen werde; zwar in gewissen Abständen, aber die Feder liegt mir doch einfach zu gut in der Hand.
Zum aktuellen Anlass des ersten offizielen deutschen EVE Kurzgeschichten
Wettbewerbs, habe ich den Weg hinter den Schreibtisch wieder gefunden. Auch wenn bereits einige tolle Geschichten eingereicht wurden, so wollte ich dennoch meinen Beitrag zu diesen lobenswerten Event leisten. Die finale Wahl wird nach dem 21.01.2011 im EVEger Forum stattfinden. Doch nun möchte ich den geneigten Leser nicht lange warten lassen. É voilà:

Singularität

Gleißend hell durchstach der Lichtstrahl das Wimperndickicht, drang ungehindert durch den schmalen Spalt zwischen den Augenliedern und entfachte ein wahres Inferno auf den weiten Ebenen seiner Netzhaut. So geschärft die Wahrnehmung in den ersten Sekunden auch war, umso lethargischer hüllte sich das Gemüt von Kommandant Kitai in Leere, als er seine Augen langsam öffnete. Im Schein der flackernden Alarmleuchten glänzten die Schweißperlen auf seiner Stirn und rannen tränengleich über die kantigen Wangenknochen hinab. Nach Orientierung ringend griff er zur Lehne und zog sich mit aller Kraft in eine aufrechte Position. Gejagt von einem Gedanken überflogen seine überreizen Augen die Steuerkonsole, um sich Klarheit über die Geschehnisse zu verschaffen. Trotz des wahrhaften Feuerwerks aus Lichtern, Lampen, Leuchten und Bildschirmen, herrschte eine erdrückende Stille in der Kapsel. Diese mutmaßliche Taubheit ermöglichte es ihm jedoch im ersten Moment eher seinen Geist auf das Wesentliche zu konzentrieren, sodass sein Blick auf der Funkkonsole haften blieb. Die Zeilen wurden schärfer und aus einem verschwommenen grünen Nebel kristallisierten sich die Sätze des Missionsbriefes heraus. Schlagartig schossen ihm Gedanken und Erinnerungen durch den Geist.

Kitai war zu Beginn des Jahres 68 im Auftrag der Amarr Navy zu einer Aufklärungsmission in die Randgebiete des Vale of Silent aufgebrochen, um erste Erkenntnisse über eine unbekannte Anomalie zu sammeln. Nach 52 Jahren honorierter Zeit im Dienste des Kaisers, war er einer der letzten Pioniere der Flotte und somit mehr als nur prädestiniert für Missionen wie diese. So gebührte ihm auch die seltene Ehre auf seinen Einsätzen das Flaggschiff der Navy in die Schlacht zu führen; seine Perséphone – ein Schlachtschiff der Navy Apocalypse Klasse, samt treuer und ergebener Besatzung.

Mit einem markdurchdringenden Pfeifen kehrte sein Gehör urplötzlich zurück. Völlig übermannt vom Lärm der Geräuschkulisse, versuchte Kitai die Informationen des Navigationsdisplays zu interpretieren. Die digitale Vertikal- und Horizontalwinkelerfassung schien völlig verrückt zu spielen und gab keine plausiblen Werte aus. Selbst beim Versuch den Sextanten zu justieren, schien jede Koordinate stets die Position zu verlieren. Ein erster Blick auf die Monitore der Außenbordprojektoren ließ ihn kaum seinen Augen trauen. Der stechende Schein der Materie, welche das Schiff und schier unendliche Parsec weit entfernt umgab, wies auf eine erhöhte Rekombination zu neutralem Wasserstoff hin. Dies ließen aber weder die Scans vermuten, noch die Koordinaten in der sie sich der Anomalie genährt hatten. Ein solch gigantisches H-II-Gebiet könnte es nur in Spiralgalaxien geben, aber jedoch niemals in einer Raumverwerfung mit einer derart geringen Masse.

Wie war eine Gleichung, ausschließlich aus Unbekannten bestehend, zu lösen? Eine rein rhetorische Frage, welche Kitai im Sinn verblieb, als er sich dafür entschied sein Eigenes sowie das Leben der Besatzung nicht weiter zu riskieren. Nach routinierter Neukalibrierung der transversalen Wellenmodulation gelang es ihm eine Verbindung zu seinem ersten Ingenieursoffizier Khagante auf dem Maschinendeck herzustellen. Trotz mäßiger Funkübertragung gelang es den beiden Spezialisten mit gemeinsamem Einsatz die Stabilisatoren der Triebwerkskammern zu reaktivieren und das Schiff somit an Fahrt gewinnen zu lassen. Die automatisierten Analyse- und Reparatureinheiten des Schiffs nahmen Stück für Stück den Betrieb wieder auf und schienen völlig unbeeinträchtigt von den Ereignissen zu sein, die vor Minuten noch geschehen waren. Jede eingehende Fehlermeldung schien Kitai beinahe voraussehen zu können und somit stets, wie von Geisterhand geführt, die Probleme zu beheben. Schritt für Schritt beschlich ihn das Gefühl ein Déjà-vu zu erfahren, wie es nicht realer hätte sein können. Doch sein Geist konnte nicht lang in dieser Traumwelt versinken.

Die Richtungsscanner meldeten sich mit einem bedrohlichen Alarmton. Ca. 400 Parsec entfernt erschien eine unbekannte Signatur auf dem Radar, welche sich obendrein mit erhöhter Geschwindigkeit auf die Perséphone zu bewegte. Bevor Kitai überhaupt auf diese Entdeckung reagieren konnte, meldete Khagante einen massiven Energieverlust im Kondensatorkern. Je näher sich dieses unbekannte Objekt dem Schiff näherte, desto mehr Systeme verloren ihre Funktion. Nachdem die primären Materie/Anti-Materie Schubdüsen ausgefallen waren, sah Kitai den Tatsachen ins Auge. Das Schiff war völlig manövrierunfähig und die Reaktorkammern, laut den letzten Sensordaten, in sich zusammen gefallen. Jede noch so absurde und unlogische Form der Unmöglichkeit, die er nicht einmal im Entferntesten hätte erahnen können, war bereits eingetreten.

Jegliche Art von Energie war aus Leitungssträngen des Schiffs verschwunden. Die alles verschlingende Dunkelheit in seiner Kapsel schien dem alten Kitai keine Angst einzuflößen. Es war mehr ein kurzer Ruhepol in dem psychischen Chaos. Viel mehr bemerkte er den schleichenden Verlust der strukturellen Integrität des Schiffes. Es schien als ob sich die meterdicken Panzerungen um ihn herum in Bewegung versetzen würden. Dies war der Moment vor dem er sich im Geheimen immer gefürchtet hatte, welchen er auch seinen jungen Söhnen stets in der Offiziersausbildung unterschwellig mit auf den Weg gab. Wenn man sein Leben dieser Leere des Alls widmet, in ihr gar die neue Heimat gefunden hat, so wird einem diese Leere niemals den Halt bieten den jeder Sternenpilot braucht. Sie wird ihn eines Tages rücksichtslos verschlingen.

In diesem Moment, als völlige Resignation und Selbstaufgabe Kitais Geist verzehren wollten, kehrte das wohlige Gefühl der Vertrautheit zurück. Es war mehr als ein Déjà-vu. Es war abstrus, aber auf dem Grund seines Daseins, klammerte sich Kitai an dieses eine Gefühl das ihm sagte stets Großes für den Kaiser bewegen zu können; so als ob er gerade erst den Missionsbrief übergeben bekommen hätte. Lang dachte er nicht darüber nach, warum und was ihn genau an diesem Punkt festhielt, denn das förmliche Erbeben der Kapsel katapultierte ihn in die Realität aus Stahl und schleichender Kälte zurück. Im manuellen Betrieb öffnete er die Sichtpanzerung der Kapselrampe und blickte auf ein Gebilde pulsierender Materie im freien Raum. Um sich vor dieser immensen Lichtintensität zu schützen, hob Kitai seine Arme empor. Doch als er seine, in schweres Leder eingebundenen, Hände vor seinen Augen sah, schienen sie jede Form zu verlieren. Kein Gefühl, kein Schmerz – nur Leere. Mit letztem Augenaufschlag blickte Kitai in die strahlende Korona…

…gleißend hell durchstach der Lichtstrahl das Wimperndickicht, drang ungehindert durch den schmalen Spalt zwischen den Augenliedern und entfachte ein wahres Inferno auf den weiten Ebenen seiner Netzhaut. So geschärft die Wahrnehmung in den ersten Sekunden auch war, umso lethargischer hüllte sich das Gemüt von Kommandant Kitai in Leere, als er seine Augen langsam öffnete…

Memoiren der Familie Kitai, Band IV
Belletristische Veröffentlichung von Archivar „Mehimoloth“


Black Hole

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