Aufzeichnungen und Analysen über das Verhalten eines religiösen Amarr Fanatikers im luftleeren Raum…

Der Erste Kontakt, oder auch „Vom Teufel geritten“

Auszug privates Logbuch; 23341 AD:

Ein Morgen wie er nicht unerträglicher hätte sein können. Das Gemisch aus Sauerstoff und Kohlendioxid in meinem Quartier lässt sich schon nicht mehr als lebensfreundliche Atmosphäre bezeichnen. Der erste Augenschlag meiner Lieder ließ den Schweiß in einer plasma-ähnlichen Konsistenz langsam und träge die Wange hinunter fließen. Über den COM-Kanal gab es gestern Abend noch die Warnung vor dem bisher stärksten koronalen Massenauswurf der Sonne des Amarr Systems; und natürlich haben die Sonnenwinde die Raumklimatisierung außer Kraft gesetzt. Furchtbar – die Emperor Family Academy ist auch nicht mehr das was sie einmal war. Ich öffnete die Lamellenpanzerungen des Fensters meiner Außenkabine: Es herrschte bereits reges Treiben an der Docking-Station. Eine, wie in Zeitlupe, vorbeifliegende Providence schützte meine müden Augen vor dem Blendwerk der Sonne.

Über einen erfrischenden Besuch in der Schalldusche musste ich garnicht erst nachdenken; auch das COM-System waren ausgefallen. So zwang ich meinen Körper, bei diesen Amarr-unwürdigen Temperaturen, in meine alles andere als atmungsaktive Robe und verlies mein Gemach so schnell wie nur möglich. Unter diesen Bedingungen versuchte ich meinem morgendlichen schwarzen, koffeinhaltigen Heißgetränk etwas Positives abzugewinnen, doch der Gestank von Tausenden von Piloten in der Großkantine des Versorgungsdecks hatte meine Geschmacksnerven längst dematerialisiert. Es war ein Morgen, der absolut Nichts von einem verheisungsvollen Tag inne hielt. Die Motivation, erneut die Hand für die Amarr Navy ins Feuer zu legen, ging gegen Null. Ich versuchte den gespührten Lärmpegel in der Halle von gut 180 dB mental auszublenden und ließ meinen Blick zur Decke schweifen. Das Konstrukt aus verrosteten Stahlträgern, nahezu völlig zerfressenen Nieten und sich auflösenden Schweißnähten war ein trauriger Anblick. Ich muss es wieder betonen: die Family Acadamy hat über die Jahre ihren Glanz verloren.

Doch bevor ich gänzlich in die Nostalgie der alten Tage abgleiten konnte, schoss mir ein Gedanke in den Sinn: Alter Stahl, Rost, schrott-ähnlicher, trauriger Anblick – Minmatar! Der älteste Sohn der Minmatar Familie Khaganate, die mir damals als Konsul mit sämtlichen Nachkommen zur Dienerschaft verpflichtet wurde, hatte bei der Gefangennahme doch eine alte Rifter in seinem Besitz. Es war an der Zeit aus den alten festgefahrenen Gepflogenheiten auszubrechen, um sich bei dieser Hitze einen kühlen Wind der Freibeuter um die Nase wehen zu lassen. Ohne große Umschweife machte ich mich auf den Weg zu meinem Hangar. Kurz nach dem Verlassen der Kantinenhalle, rief eine vertraute Stimme meinen Namen. Es war Dhurus, ein alter Kamerad von der Offiziersakademie. In völliger Euphorie schilderte ich ihm mein Vorhaben, doch er willigte bereits nach den ersten Worten der ungezwungenen Freiheit ein.

Ein Systemcheck der Rifter wies mehr Rost und aufgeplatzte Schweißnähte auf, als aktive funktionierende Teile. Die Datenübertragungen zu meiner Kapsel waren fehlerhafter, von der Reaktionsgeschwindigkeit der Komponenten ganz zu schweigen. Komfort und Bedienfreundlichkeit sind zwei Begrifflichkeiten, die auf dieser Reise wohl nichts zu suchen hatten. Wie dem auch sei, es vermittelte immerhin die treffende Atmosphäre für einen rauen geächteten Freibeuter der Leere. Ich programmierte den Kurs in Richtung Avenod – ein System welches mir noch aus Gesprächen der volltrunkenen Gestalten in den Bedienerquartieren ein Begriff für aufrichtige Kämpfe war. Das Gefühl von Freiheit intensivierte sich, als wir im Formationsflug die Station hinter uns ließen und im Warp Kanal Richtung Sarum Prime verschwanden. Warum Dhurus in seiner Tristan allerdings bedeutend schneller in den Warp ging, konnte ich mir nur mit der minderen Qualität der Rifter Triebwerks-„Konstruktion“ erklären. Gelobt sei die Technologie der Amarr – frei der Motivation nach „Qualität vor Quantität“.

Nach etwa acht Sprüngen sollte im Dal System der Moment der Wahrheit kommen. In meiner bisher mangelenden Fähigkeit in den Belangen eines Kampfes unter Kapselpiloten, aktivierte ich den Richtungsscan ohne eigentlich zu wissen was hier geschieht. Dazu bedarf es dringend nachträglicher Studien, denn die Ergebnisse und Verfahrensweisen bei diesem Vorgang waren alles andere als verständlich und aufschlussreich. Das interne COM-System lies auf fünf andere Piloten schließen, doch der Scan zeigte einfach nicht die gewünschten Ergebnisse an. Nachdem mir Dhurus ebenfalls völlige Ratlosigkeit signalisierte, beschlossen wir mehr oder minder wahllos die Asteroidengürtel anzufliegen. Warum ich nun den Eis-Gürtel gewählt habe, muss wohl noch in meinem Wunsch nach erfrischender Abkühlung begründet gewesen sein. Doch was begegnete uns: Leere. Leichte Resignation verbreitete sich unter meiner Mannschaft, denen ich doch eine aufregende Nacht des Kampfes versprochen hatte. Gerade, als sich die Tristan erneut in Scanposition begeben wollte, tauchte aus dem Nichts eine Rifter zwischen den kristallenen Eisriesen auf. Meine Güte… die Alarmrufe über das COM-System wurden laut. In völliger Hektik aktivierte ich die Zielaufschaltung und programmierte einen Kurs für eine optimale Umkreisung. Alles schien sich in einer Zeitschleife zu befinden. Einige Schaltkreise der Navigationsoberfläche brannten aus, sodass erst ein zweiter Versuch eine Aufschaltung ermöglichte. Völlig überhastet setzten meine 200mm Auto-Cannons ihr Sperrfeuer ein, während mein Schild bereits ausgefallen war. Gefühlt waren es Bruchteile von Sekunden, als auch die Tungsten Plate ihre Funktionsfähigkeit verlor und der sensible Bordcomputer mir die schnellstmögliche Abkopplung der Kapsel empfohl. Als die Struktur jegliche Integrität verlor, gelang es mir noch einen Blick auf die Zielaufschaltung zu werfen. Gehüllt in Verwunderung darüber, dass die feindliche Rifter weniger als 30% ihres Schildes unter meinem Feuer verloren hatte, wurde ich in den Sitz gepresst und mit einer Gewichtskraft von 16G mit meiner Kapsel in den luftleeren Raum katapultiert.

Mit einem Feuerschweif sah ich die Tristan im Warp-Kanal verschwinden, gefolgt von einem erlösenden Aufatmen von Dhurus, dass er sein Schiff noch retten konnte. Es muss mein Herz gewesen sein, welches im Wunsch nach Freiheit einen sofortigen Kurs zurück nach Amarr setzte und meinen Geist dazu zwang, nicht in Resignation und Trauer über den Verlust des Schiffes zu verfallen. Während mein Kamerad sein Schiff im Reperatur-Dock der örtlichen Station warten lies, begann ich auf dem Rückflug meine logischen Schlüsse auf dem „Kampf“ zu ziehen. Die Standfestigkeit und Feuerkraft des feindlichen Schiffes vermag nur durch die Nutzung von Tech2 Komponenten möglich gewesen sein. Und so schaltete ich das vertraute Gewissen eines Amarr Navy Schützlings aus, um Ideen für eine ebenwürdige und durchaus kostenintensivere Ausrüstung zu sammeln.

Das treue Herz wurde zu dem vom Licht der Kaiserin erleuchtet, sodass nun nur noch eine Punisher für einen Rachefeldzug in Erwägung kam. Kaum angekommen, befehligte ich die gesamte Khaganate Familie, mir in aller Eile die benötigten Komponenten zusammen zu stellen und das Schiff demenstprechend auszurüsten. Die Zeit für eine gründliche Polierung der Panzerung und Ornamente musste natürlich ebenfalls gewahrt bleiben und so taten die flinken Minmatar Hände das was sie auch am Besten konnten.

Mit einem bestärkten Gewissen und dem Segen der Kaiserin setzte ich erneut den Kurs auf das Dal System und rief meinen Kameraden Dhurus zur gnadenlosen Rache auf. Doch die Unerfahrenheit verlangt in gewisser Hinsicht in diesem Universum immer seine Opfer. Wir, die als Jäger das System betraten, wurden natürlich erneut die Gejagten. Nachdem die Scanner uns erneut vor Unklarheiten stellten, blieb kaum Zeit für große Alternativen; die Rifter hatte uns erneut entdeckt. Es muss an der Vertrautheit des Schiffs oder der funktionierenden Klimatisierung gelegen haben, dass mein Geist diesmal mit mehr Ruhe und Ausgeglichenheit dem Kampf den Einstand gab. Die Aufschaltung erfolgte routiniert und das gebündelte monochromatische Frequenzspektrum der Dual Light Pulse Laser II sollte tiefe Löcher in die Schilde der Rifter brennen. Gemeinsam mit Dhurus eröffneten wir erfolgreich das Feuer und konnten dem Feuerwerk der Schildemitter förmlich hautnah beiwohnen, bis sie schließlich kurz vor dem Ausfall standen. Die Tristan hielt dem Beschuss leider nicht lange Stand, wodurch mein Flügelmann nur noch die Kapsel retten konnte. In einem engen Orbit intensivierte sich das Feuer zwischen der Rifter und meiner doch sehr standhaft bleibenden Punisher. Das Reperatursystem lief nah am kritischen Bereich, während die ersten Hüllenbrüche gemeldet wurden.  Es war schwer die Konzentration zu halten, denn ich spührte nur noch meine Hände, wie sie sich fest in die Lederlehnen des Steuersessel vertieften und mein Puls anfing förmlich zu rasen. Der Innenraum meiner Kapsel war nur noch vom Rot der Signalleuchten durchzogen, als die Aufschläge der 150mm Auto-Cannons schon fast an der Hülle der Kapsel zu hören waren. Fast zeitgleich verlor die Rifter die Integrität der Hülle und ging schlagartig in die Struktur. Gewillt meinen Feind wenigstens mit den Tod zu reißen, lies die Überhitzung der Lasertürme ein wahres Inferno auf die Rifter einschlagen.  Die Struktur meines Schiffs erreichte den kritischen Bereich von unter 30% und innerlich musste ich mich wohl mit einem weiteren Verlust abfinden – doch was war das. Begleitet von einem teuflischen Lächeln meinerseits, brachte die Überhitzung des Reperatursystems die Wendung. 90%, 80%, 70% – bis auf 50% gewann die verstärkte Tungstenhülle wieder an Panzerfähigkeit – das Sperrfeuer der Auto-Cannons war gebannt.

Mit einem letzten Blick auf die Aktivität des Warp-Scramblers verschwand die Rifter in einem Feuerball und die Motivation für einen neuen Weg in diesem Universum war für mich geboren.

Wer diese Zeilen eines Tages lesen wird, der kann sich sicher sein, dass sie von einem Khanid geschrieben wurden, der seinen Traum von Freiheit verwirklicht hat.
Mehimoloth, 23341 AD.

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